Cannabis Überwässerung erkennen, vermeiden und beheben

Cannabis Überwässerung erkennen, vermeiden und beheben

Überwässerung gehört zu den häufigsten Problemen beim Cannabisanbau und betrifft Anfänger ebenso wie erfahrene Grower. Oft wird aus Sorge um das Pflanzenwachstum zu häufig gegossen, obwohl genau das die Wurzeln schädigen kann. Dieser Artikel erklärt systematisch, was unter Cannabis-Überwässerung zu verstehen ist, wie sie sich äußert, welche Ursachen dahinterstecken und wie sich betroffene Pflanzen stabilisieren lassen. Ziel ist es, typische Fehlannahmen aufzuklären und eine fundierte Grundlage für korrektes Gießen zu schaffen.

Was bedeutet Überwässerung bei Cannabis?

Unter Überwässerung versteht man beim Cannabisanbau nicht eine einmalig große Wassermenge, sondern einen dauerhaft zu nassen Wurzelbereich. Das Substrat bleibt über längere Zeit feucht, sodass die Wurzeln nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden. Genau dieser Sauerstoffmangel ist das zentrale Problem: Die Pflanze kann Wasser und Nährstoffe nicht mehr effizient aufnehmen, obwohl sie im „nassen“ Medium steht.


Wichtig ist die Abgrenzung zwischen viel Wasser und zu häufigem Gießen. Cannabis verträgt grundsätzlich kräftiges Gießen, sofern danach eine ausreichende Trockenphase folgt. Kritisch wird es, wenn erneut gegossen wird, obwohl das Substrat noch nicht abgetrocknet ist. In diesem Zustand verschlechtern sich die Bodenstruktur und das Wurzelmilieu, was langfristig zu Wachstumsstörungen führen kann.


Überwässerung ist daher weniger ein Mengenproblem als ein Rhythmus- und Strukturproblem. Faktoren wie Substratzusammensetzung, Topfgröße, Drainage und Umgebungstemperatur bestimmen maßgeblich, wie schnell Wasser abgebaut wird und wie hoch das Risiko für Staunässe ist.

Unterschied zwischen zu viel Wasser und Staunässe

„Zu viel Wasser“ und „Staunässe“ werden häufig gleichgesetzt, beschreiben jedoch unterschiedliche Zustände. Zu viel Wasser bezieht sich auf eine einzelne Gießmenge, die höher ausfällt als nötig. Solange überschüssiges Wasser abfließen kann und das Substrat anschließend abtrocknet, ist dies für Cannabis in der Regel unproblematisch.


Staunässe entsteht dagegen, wenn Wasser dauerhaft im Topf oder im Wurzelbereich stehen bleibt. Ursachen sind meist fehlende oder verstopfte Drainagelöcher, zu dichtes Substrat oder ungeeignete Topfmaterialien. In diesem Fall wird der Luftaustausch im Wurzelraum stark eingeschränkt. Die Folge ist Sauerstoffmangel, der die Wurzelaktivität hemmt und Fäulnis begünstigt.


Für die Praxis bedeutet das: Entscheidend ist nicht allein, wie viel gegossen wird, sondern ob überschüssiges Wasser zuverlässig ablaufen kann und dem Substrat genügend Zeit zum Trocknen bleibt. Staunässe stellt dabei das deutlich größere Risiko für die Pflanzengesundheit dar.

Warum Cannabis empfindlich auf falsches Gießen reagiert

Cannabis besitzt ein fein verzweigtes, sauerstoffabhängiges Wurzelsystem. Diese Wurzeln sind darauf angewiesen, dass sich im Substrat nicht nur Wasser, sondern auch Luft befindet. Wird der Wurzelraum dauerhaft geflutet, verdrängt das Wasser den Sauerstoff aus den Poren der Erde. Die Wurzeln können dann ihre grundlegenden Funktionen nicht mehr erfüllen.


Ein gestörter Gasaustausch wirkt sich unmittelbar auf das Wachstum aus. Die Pflanze nimmt weniger Nährstoffe auf, obwohl diese im Substrat vorhanden sein können. Gleichzeitig verlangsamt sich der Stoffwechsel, was sich oberirdisch durch schlaffe Blätter, Wachstumsstagnation und ein insgesamt geschwächtes Erscheinungsbild zeigt.


Hinzu kommt, dass ein dauerhaft feuchtes Milieu die Vermehrung unerwünschter Mikroorganismen begünstigt. Fäulnisprozesse und Wurzelkrankheiten treten deutlich häufiger auf, wenn das Substrat nicht regelmäßig abtrocknen kann. Aus diesem Grund reagiert Cannabis sensibel auf falsches Gießverhalten, selbst wenn Licht, Nährstoffe und Temperatur eigentlich stimmen.

Häufige Ursachen für Überwässerung

Überwässerung entsteht in der Praxis selten durch einen einzelnen Fehler, sondern durch eine Kombination aus falschem Gießverhalten und ungünstigen Rahmenbedingungen. Besonders häufig ist das Gießen nach festen Zeitplänen, ohne den tatsächlichen Feuchtigkeitszustand des Substrats zu prüfen. Wird gegossen, obwohl die Erde noch ausreichend nass ist, kann sich keine notwendige Trockenphase einstellen.


Ein weiterer zentraler Faktor ist die Wahl von Substrat und Topf. Zu dichte oder stark verdichtete Erde speichert Wasser übermäßig lange und behindert die Durchlüftung des Wurzelraums. Fehlen zusätzlich Drainagelöcher oder sind diese verstopft, kann überschüssiges Wasser nicht abfließen, was das Risiko für Staunässe deutlich erhöht. Auch zu große Töpfe bei noch kleinen Pflanzen tragen dazu bei, da das Substrat langsamer austrocknet als die Wurzeln Wasser aufnehmen können.


Umweltbedingungen spielen ebenfalls eine wichtige Rolle. Niedrige Temperaturen, geringe Lichtintensität oder hohe Luftfeuchtigkeit verlangsamen die Verdunstung. Unter solchen Bedingungen benötigt Cannabis deutlich weniger Wasser. Wird das Gießverhalten nicht angepasst, entsteht schnell ein dauerhaft zu feuchtes Substrat, selbst wenn die gegossene Wassermenge unverändert bleibt.

Fehler beim Gießverhalten

Einer der häufigsten Auslöser für Überwässerung ist ein falsch verstandenes Gießverhalten. Viele Grower orientieren sich an festen Intervallen, etwa täglichem oder zweitägigem Gießen, unabhängig davon, ob die Pflanze tatsächlich Wasser benötigt. Cannabis reagiert jedoch nicht auf Zeitpläne, sondern auf den Zustand des Substrats und der Wurzeln.


Ein typischer Fehler ist das sogenannte „Sicherheitsgießen“. Aus Sorge, die Pflanze könnte austrocknen, wird vorsorglich nachgegossen, obwohl die Erde noch ausreichend feucht ist. Dadurch bleibt der Wurzelbereich dauerhaft nass und kann sich nicht regenerieren. Besonders problematisch ist dies in frühen Wachstumsphasen, wenn das Wurzelsystem noch klein ist und nur begrenzte Wassermengen aufnehmen kann.


Ebenfalls kritisch ist das häufige Gießen kleiner Wassermengen. Diese Praxis befeuchtet nur die oberen Erdschichten, während tiefere Bereiche konstant feucht bleiben. Statt eines gesunden Wechselspiels aus vollständigem Durchfeuchten und anschließender Trockenphase entsteht so ein dauerhaft ungünstiges Wurzelmilieu. Ein bedarfsgerechter Gießrhythmus orientiert sich daher am Topfgewicht, an der Substratoberfläche und am allgemeinen Pflanzenzustand, nicht an festen Zeitvorgaben.

Substrat, Topfgröße & Drainage

Substrat, Topfgröße und Drainage bestimmen maßgeblich, wie lange Wasser im Wurzelbereich verbleibt. Ein ungeeignetes Substrat ist eine der häufigsten Ursachen für Überwässerung, selbst wenn das Gießverhalten grundsätzlich korrekt ist. Stark verdichtete oder minderwertige Erden speichern Wasser übermäßig lange und lassen kaum Luft an die Wurzeln.


Auch die Topfgröße spielt eine wichtige Rolle. Sehr große Töpfe in Relation zur Pflanzengröße trocknen deutlich langsamer aus, da das Wurzelsystem noch nicht in der Lage ist, das vorhandene Wasser gleichmäßig zu nutzen. Besonders bei jungen Pflanzen entsteht so schnell ein dauerhaft feuchter Bereich, der das Wurzelwachstum hemmt.


Eine funktionierende Drainage ist unverzichtbar. Töpfe müssen ausreichend große Abflusslöcher besitzen, damit überschüssiges Wasser nach dem Gießen ablaufen kann. Zusätzlich sorgt eine lockere Substratstruktur dafür, dass Wasser nicht im unteren Topfbereich stehen bleibt. Ohne diese Voraussetzungen erhöht sich das Risiko für Staunässe erheblich, unabhängig davon, wie vorsichtig gegossen wird.

Umweltfaktoren (Temperatur, Luftfeuchtigkeit)

Neben Gießverhalten und Substrat beeinflussen Umweltfaktoren maßgeblich, wie schnell Wasser von der Pflanze aufgenommen und aus dem Substrat verdunstet. Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Lichtintensität bestimmen den Wasserbedarf von Cannabis stärker, als vielen Growern bewusst ist.


Bei niedrigen Temperaturen verlangsamt sich der Stoffwechsel der Pflanze. Die Wurzeln arbeiten träger, und Wasser bleibt länger im Substrat. Ähnlich wirkt eine hohe Luftfeuchtigkeit: Die Verdunstung über die Blätter nimmt ab, wodurch weniger Wasser aus dem Wurzelbereich nachgezogen wird. Wird unter diesen Bedingungen weiterhin wie gewohnt gegossen, entsteht schnell ein dauerhaft nasses Substrat.


Auch Licht spielt eine Rolle. Geringe Lichtintensität reduziert die Photosynthese und damit den Wasserverbrauch. Besonders in Indoor-Setups mit schwacher Beleuchtung oder in der Übergangszeit beim Outdoor-Grow wird der tatsächliche Wasserbedarf häufig überschätzt. Ein angepasstes Gießverhalten muss daher immer im Zusammenhang mit den aktuellen Umweltbedingungen betrachtet werden, um Überwässerung zuverlässig zu vermeiden.

Cannabis Überwässerung beheben – Schritt für Schritt

Wird eine Überwässerung frühzeitig erkannt, lassen sich die meisten Pflanzen stabilisieren. Entscheidend ist, nicht in Aktionismus zu verfallen, sondern gezielt die Ursachen zu beheben. Ziel aller Maßnahmen ist es, den Wurzelbereich wieder mit Sauerstoff zu versorgen und der Pflanze Zeit zur Regeneration zu geben.


Der erste und wichtigste Schritt ist eine konsequente Gießpause. Solange das Substrat noch feucht ist, darf kein weiteres Wasser zugeführt werden. Der Topf sollte deutlich an Gewicht verlieren, bevor erneut gegossen wird. Unterstützend wirken eine gute Luftzirkulation sowie eine moderate Erhöhung der Temperatur, da sie die Verdunstung fördern, ohne die Pflanze zusätzlich zu stressen.


Parallel sollten die Rahmenbedingungen überprüft werden. Dazu gehören funktionierende Drainagelöcher, ein lockeres Substrat und ein zur Pflanzengröße passender Topf. Düngemaßnahmen sind in dieser Phase zu vermeiden, da geschwächte Wurzeln Nährstoffe nicht aufnehmen können. Erst wenn sich das Blattbild stabilisiert und neues Wachstum einsetzt, kann schrittweise zum normalen Gießrhythmus zurückgekehrt werden.

Sofortmaßnahmen bei akutem Problem

Bei akuter Überwässerung steht die schnelle Entlastung des Wurzelbereichs im Vordergrund. Die wichtigste Maßnahme ist eine sofortige Gießpause, unabhängig davon, wie trocken die Pflanzenoberfläche wirkt. Entscheidend ist der Feuchtigkeitszustand im gesamten Topf, nicht nur in den oberen Zentimetern.


Der Topf sollte an einen gut belüfteten Ort gestellt werden, damit überschüssige Feuchtigkeit gleichmäßig entweichen kann. Eine leichte Erhöhung der Umgebungstemperatur kann den Trocknungsprozess unterstützen, direkte Hitzequellen sind jedoch zu vermeiden. Auch das Anheben des Topfes, etwa auf ein Gitter, verbessert die Luftzirkulation am Boden und beschleunigt das Abtrocknen.


Zusätzliche Eingriffe wie starkes Zurückschneiden, intensives Düngen oder erneutes Umtopfen sind in dieser Phase meist kontraproduktiv. Die Pflanze benötigt Ruhe und stabile Bedingungen, um das geschädigte Wurzelsystem zu regenerieren. Erst wenn das Substrat deutlich abgetrocknet ist und sich erste Anzeichen einer Erholung zeigen, können weitere Schritte in Betracht gezogen werden.

Anpassung von Gießrhythmus & Umgebung

Nach der akuten Phase ist es entscheidend, den Gießrhythmus dauerhaft anzupassen, um erneute Überwässerung zu vermeiden. Dabei sollte sich das Gießen nicht an festen Intervallen orientieren, sondern am tatsächlichen Bedarf der Pflanze. Ein bewährter Indikator ist das Gewicht des Topfes: Erst wenn dieser deutlich leichter ist, besteht wieder Gießbedarf.


Auch die Umgebung sollte überprüft und optimiert werden. Eine ausreichende Luftzirkulation sorgt dafür, dass Feuchtigkeit aus dem Substrat schneller abgeführt wird und sich keine dauerhaft nassen Zonen bilden. Gleichzeitig unterstützt eine stabile, dem Entwicklungsstadium angepasste Temperatur den Wasserverbrauch der Pflanze. Extreme Schwankungen sollten vermieden werden, da sie den Stoffwechsel zusätzlich belasten.


Beim erneuten Gießen empfiehlt sich ein zurückhaltender Ansatz. Statt die ursprüngliche Wassermenge sofort wieder zu verwenden, sollte schrittweise getestet werden, wie die Pflanze reagiert. Zeigt sie neues, gesundes Wachstum und trocknet das Substrat gleichmäßig ab, kann der Gießrhythmus vorsichtig weiter normalisiert werden.

Wann Umtopfen sinnvoll ist

Ein Umtopfen ist nicht in jedem Fall von Überwässerung notwendig, kann jedoch sinnvoll sein, wenn das Substrat stark verdichtet ist oder sich bereits deutliche Wurzelschäden zeigen. Besonders dann, wenn die Erde auch nach mehreren Tagen kaum abtrocknet oder modrig riecht, ist davon auszugehen, dass der Wurzelbereich dauerhaft geschädigt wird.


Beim Umtopfen sollte möglichst schonend vorgegangen werden. Stark durchnässte oder faulige Substratreste können vorsichtig entfernt werden, ohne gesunde Wurzeln unnötig zu verletzen. Ein frisches, luftiges Substrat mit guter Drainage schafft bessere Bedingungen für die Regeneration. Wichtig ist, die Pflanze nach dem Umtopfen nicht sofort erneut stark zu gießen, sondern dem neuen Substrat Zeit zu geben, sich gleichmäßig zu setzen.


Ein Umtopfen stellt immer zusätzlichen Stress dar und sollte daher nur dann erfolgen, wenn andere Maßnahmen keine Verbesserung bringen. Bei leichten bis moderaten Fällen von Überwässerung reicht es in der Regel aus, den Gießrhythmus anzupassen und die Umweltbedingungen zu optimieren.

Langfristige Prävention: richtig Cannabis gießen

Langfristig lässt sich Überwässerung nur vermeiden, wenn das Gießen als dynamischer Prozess verstanden wird. Cannabis benötigt kein konstantes Feuchtigkeitsniveau, sondern einen Wechsel aus gründlichem Gießen und anschließender Trockenphase. Dieser Rhythmus fördert ein gesundes Wurzelwachstum und sorgt für eine stabile Sauerstoffversorgung im Substrat.


Grundsätzlich gilt: Es wird erst gegossen, wenn die Pflanze tatsächlich Wasser benötigt. Sichtbare Anzeichen, das Gewicht des Topfes und der Zustand der oberen Erdschicht liefern verlässlichere Hinweise als feste Zeitangaben. Entscheidend ist zudem, dass beim Gießen das gesamte Substrat gleichmäßig durchfeuchtet wird und überschüssiges Wasser ungehindert ablaufen kann.


Eine saubere Gießpraxis ist damit ein Zusammenspiel aus Technik, Beobachtung und Anpassung an äußere Bedingungen. Wer diese Faktoren berücksichtigt, reduziert das Risiko für Überwässerung deutlich und schafft stabile Voraussetzungen für gesundes Wachstum über den gesamten Lebenszyklus der Pflanze.

Grundregeln für korrektes Gießen

Korrektes Gießen basiert auf wenigen, aber entscheidenden Grundregeln. An erster Stelle steht der Grundsatz, nur dann zu gießen, wenn das Substrat ausreichend abgetrocknet ist. Die oberste Erdschicht sollte trocken sein, und der Topf deutlich leichter wirken als direkt nach dem letzten Gießen. Diese Gewichtskontrolle ist zuverlässiger als visuelle Einschätzungen allein.


Beim Gießen selbst ist ein durchdringender Ansatz sinnvoll. Das Wasser sollte gleichmäßig verteilt werden, bis ein kleiner Teil unten aus den Drainagelöchern austritt. So wird sichergestellt, dass das gesamte Substrat befeuchtet wird und keine dauerhaft trockenen oder dauerhaft nassen Zonen entstehen. Anschließend ist eine vollständige Trockenphase entscheidend, bevor erneut gegossen wird.


Ebenso wichtig ist die Anpassung an die jeweilige Situation. Pflanzengröße, Entwicklungsstadium, Topfmaterial und Umgebungseinflüsse verändern den Wasserbedarf kontinuierlich. Korrektes Gießen bedeutet daher nicht, einer festen Regel zu folgen, sondern regelmäßig zu beobachten und das Vorgehen entsprechend anzupassen.

Unterschiede je Wachstumsphase

Der Wasserbedarf von Cannabis verändert sich deutlich im Verlauf der verschiedenen Wachstumsphasen. Eine der häufigsten Ursachen für Überwässerung ist, dass das Gießverhalten nicht an diese Veränderungen angepasst wird. Besonders in frühen Phasen ist Zurückhaltung entscheidend.


Sämlinge und Jungpflanzen verfügen über ein sehr kleines Wurzelsystem und können nur begrenzte Wassermengen aufnehmen. Bereits leicht zu feuchtes Substrat kann hier ausreichen, um das Wurzelwachstum zu hemmen. Statt großer Wassermengen sollte in dieser Phase gezielt und sparsam gegossen werden, wobei das umliegende Substrat nicht dauerhaft nass sein darf.


In der vegetativen Phase steigt der Wasserbedarf mit zunehmender Pflanzengröße deutlich an. Ein kräftigeres Wurzelsystem erlaubt nun durchdringendes Gießen, solange ausreichende Trockenphasen eingehalten werden. Während der Blüte bleibt der Wasserbedarf hoch, reagiert jedoch sensibler auf Umweltfaktoren. Besonders gegen Ende der Blüte kann zu häufiges Gießen erneut zu Problemen führen, da der Stoffwechsel der Pflanze langsamer wird. Eine phasengerechte Anpassung des Gießverhaltens ist daher zentral für die langfristige Vermeidung von Überwässerung.

Indoor vs. Outdoor Gießen

Ob Cannabis indoor oder outdoor angebaut wird, hat erheblichen Einfluss auf das Gießverhalten und das Risiko einer Überwässerung. Indoor lassen sich Licht, Temperatur und Luftfeuchtigkeit weitgehend kontrollieren, wodurch der Wasserbedarf vergleichsweise konstant bleibt. Gleichzeitig entsteht hier häufig Überwässerung, weil äußere Trocknungseinflüsse wie Wind oder direkte Sonneneinstrahlung fehlen. Das Substrat trocknet langsamer aus, weshalb längere Gießintervalle nötig sind, als viele Grower erwarten.


Im Outdoor-Anbau ist das Gießverhalten stärker von Wetter und Standort abhängig. Regen stellt einen oft unterschätzten Faktor dar, insbesondere bei Topfpflanzen ohne ausreichenden Schutz. Mehrere Regentage in Folge können das Substrat dauerhaft durchfeuchten, auch wenn nicht zusätzlich gegossen wird. Eine gute Drainage und leicht erhöhte Topfpositionen sind hier besonders wichtig, um Staunässe zu vermeiden.


Zudem wirkt Sonneneinstrahlung im Freien stark auf den Wasserverbrauch. An heißen, windigen Tagen kann der Wasserbedarf kurzfristig stark ansteigen, während er bei kühlem, feuchtem Wetter deutlich sinkt. Outdoor-Grower müssen ihr Gießverhalten daher besonders flexibel anpassen und dürfen sich nicht auf feste Routinen verlassen, um Überwässerung zuverlässig zu verhindern.

Sonderfälle & Einordnung

Nicht jede Überwässerungssituation lässt sich mit allgemeinen Regeln erklären. Bestimmte Anbausituationen erhöhen das Risiko deutlich oder erfordern eine gesonderte Einordnung. Dazu zählen vor allem sehr junge Pflanzen, alternative Substrate sowie besondere äußere Einflüsse, die den Wasserhaushalt stark verändern können.


Gerade in diesen Sonderfällen entstehen häufig Fehldiagnosen, weil klassische Symptome entweder schneller auftreten oder schwerer zuzuordnen sind. Eine differenzierte Betrachtung hilft dabei, Überwässerung frühzeitig zu erkennen und angemessen zu reagieren, ohne unnötige Eingriffe vorzunehmen.

Überwässerung bei Sämlingen & Jungpflanzen

Sämlinge und Jungpflanzen reagieren besonders empfindlich auf Überwässerung, da ihr Wurzelsystem noch sehr klein und wenig leistungsfähig ist. Bereits geringe Wassermengen können ausreichen, um den Wurzelbereich dauerhaft zu vernässen. In dieser Phase wird Wasser deutlich langsamer aufgenommen als verdunstet, wodurch schnell ein Sauerstoffmangel entsteht.


Ein häufiger Fehler ist das großflächige Durchfeuchten des gesamten Topfes direkt nach dem Keimen. Stattdessen benötigen junge Pflanzen nur punktuell Wasser im direkten Wurzelumfeld. Bleibt das umliegende Substrat dauerhaft nass, wird das Wurzelwachstum gehemmt und die Pflanze entwickelt sich langsamer oder stagniert vollständig.


Typische Anzeichen für Überwässerung bei Sämlingen sind schlaffe Keimblätter, ein dünner Stängel und fehlendes Längenwachstum. Da sich diese Symptome schnell zeigen, ist in dieser Phase besondere Zurückhaltung beim Gießen erforderlich. Weniger Wasser, längere Pausen und ein luftiges Substrat sind entscheidend, um Überwässerung bei Jungpflanzen zu vermeiden.

Überwässerung in Erde vs. anderen Substraten

Das Risiko und die Ausprägung von Überwässerung unterscheiden sich je nach verwendetem Substrat deutlich. In klassischer Erde entsteht Überwässerung meist durch zu häufiges Gießen oder mangelhafte Drainage. Erde speichert Wasser relativ lange und verzeiht Gießfehler nur begrenzt, insbesondere wenn sie stark verdichtet ist.


Coco-Substrate verhalten sich anders. Sie halten Wasser gleichmäßiger, bleiben luftiger und ermöglichen einen besseren Sauerstoffaustausch im Wurzelbereich. Überwässerung im klassischen Sinn tritt hier seltener auf, erfordert jedoch ein angepasstes Gieß- und Düngemanagement. Fehler entstehen weniger durch Staunässe, sondern durch ein Ungleichgewicht zwischen Wasser- und Nährstoffzufuhr.


In hydroponischen Systemen spielt Überwässerung eine untergeordnete Rolle, da die Wurzeln bewusst in einer wässrigen Umgebung wachsen. Hier liegt der Fokus auf Sauerstoffversorgung und Systemstabilität. Für den Großteil der Hobby-Grower ist jedoch Erde das relevanteste Substrat, weshalb gerade hier ein korrektes Gießverständnis entscheidend für die Vermeidung von Überwässerung ist.

Typische Fehler & Mythen rund um Cannabis Überwässerung

Rund um das Thema Gießen halten sich zahlreiche Fehlannahmen, die Überwässerung begünstigen oder bestehende Probleme verschärfen. Einer der häufigsten Mythen ist die Annahme, hängende Blätter seien grundsätzlich ein Zeichen von Wassermangel. In der Praxis ist jedoch genau das Gegenteil oft der Fall: Überwässerte Pflanzen zeigen sehr ähnliche Symptome, reagieren aber nicht positiv auf zusätzliches Gießen.


Ebenfalls verbreitet ist die Vorstellung, häufiges Gießen in kleinen Mengen sei besonders schonend. Tatsächlich führt diese Methode häufig dazu, dass tiefere Substratschichten dauerhaft nass bleiben, während die oberen Bereiche oberflächlich antrocknen. Das Resultat ist ein unausgeglichenes Wurzelmilieu mit Sauerstoffmangel im unteren Topfbereich.


Ein weiterer Fehler besteht darin, gelbe Blätter reflexartig als Nährstoffmangel zu interpretieren. Bei Überwässerung ist die Ursache jedoch meist eine eingeschränkte Nährstoffaufnahme durch geschädigte Wurzeln. Zusätzlicher Dünger verschlimmert die Situation, anstatt sie zu lösen. Diese Mythen zu erkennen und einzuordnen ist entscheidend, um Überwässerung nicht nur zu beheben, sondern dauerhaft zu vermeiden.

Häufige Fragen (FAQ) zur Cannabis Überwässerung

Woran erkenne ich Überwässerung bei Cannabis?

Typisch sind dauerhaft hängende, schwere Blätter trotz feuchter Erde sowie ein stagnierendes Wachstum. Der Topf bleibt über Tage nass und schwer, ohne dass sich die Pflanze nach dem Gießen erholt.

Wie oft sollte man Cannabis wirklich gießen?

Es gibt keine feste Regel. Gegossen wird erst, wenn das Substrat ausreichend abgetrocknet ist und der Topf deutlich an Gewicht verloren hat. Der tatsächliche Bedarf hängt von Pflanzengröße, Substrat und Umweltbedingungen ab.

Kann sich Cannabis von Überwässerung erholen?

Ja, in den meisten Fällen ist eine Erholung möglich, wenn frühzeitig reagiert wird. Eine konsequente Gießpause, verbesserte Drainage und stabile Umweltbedingungen sind entscheidend.

Wie lange dauert die Erholung nach Überwässerung?

Je nach Schweregrad kann die Regeneration wenige Tage bis mehrere Wochen dauern. Neues, gesundes Wachstum ist das wichtigste Zeichen für eine erfolgreiche Erholung.

Ist Überwässerung schlimmer als Unterwässerung?

In der Regel ja. Kurzzeitiger Wassermangel lässt sich meist schnell beheben, während Überwässerung das Wurzelsystem schädigt und langfristige Folgen haben kann.